Vom 7. bis 10. Juli wurde München-Riem zum Mekka der Fahrsport-Fans. Für die Einspänner- und die Para-Fahrer ging es sogar um Deutsche Meisterehren.
Wer Anfang Juli zur Olympia-Reitanlage reiste, war beeindruckt: Auf dem 30 Hektar großen Gelände ging mit den Deutschen Meisterschaften der Einspänner-Fahrer für Pferde und Ponys und der Parafahrer sowie den Bayerischen Meisterschaften für Ein- und Vierspänner der Pferde und Ponys ein Großevent in Sachen Fahrsport über die Bühne.
Vor allem am Samstag, dem Marathon-Tag, machten sich bei herrlichem Sommerwetter Tausende von Besuchern auf den Weg ins Gelände, um die Aktiven und ihre vierbeinigen Mitstreiter bei ihren waghalsigen Fahrten durch die anspruchsvollen Hindernisse zu bestaunen. Donnerstag und Freitag hatten sich die herrlichen Gespanne bereits in den Dressurprüfungen bewähren mussten, am Samstag ging es dann querfeldein und am Sonntag zog als krönender Abschluss das nicht minder einfache Hindernisfahren, also das knappe Bugsieren der Pferde um die Kegel im Parcours die Blicke auf sich. „Alles auf S-Niveau, was für die Fahrer eine ziemliche Herausforderung darstellt“, sagt Bernd Rachner vom Organisationsteam, der mit seiner Mannschaft schon eine Woche vor der Veranstaltung dafür gesorgt hatte, dass sich die bayerische Renommier-Anlage wieder einmal von ihrer schönsten Seite präsentierte. Gepflegte Rasen- und Sandplätze, frisch renovierte und neu gebaute Hindernisse sowie ein gemütliches Festzelt luden die Fahrer und ihr Publikum zu vier Tagen bayerischer Gastfreundlichkeit.
Exakt 70 Teilnehmer zählten die Starterfelder in den DM-Wettbewerben, 29 bei den Pferden, 28 bei den Ponys und 13 bei den Para-Fahrern. „So ein Starterfeld hat es hier noch nie gegeben“, freute sich Bundestrainer Karl-Heiz Geiger, quasi der „Motor der Veranstaltung“, der selbst im nahe gelegenen Rechtmehring bei Wasserburg zuhause ist und auf monatelange Vorbereitungen zurückblicken konnte.
Bundestrainer Geiger zeigte sich trotzdem sehr zufrieden mit der Leistung seiner bayerischen Schützlinge in der Landeshauptstadt. Allen voran lenkte Tochter Anika Geiger ihre bayerische Stute Annabelle mit glänzenden Leistungen auf den fünften Platz in der Deutschen Meisterschaft. „Das war fahrerisch ganz große Klasse“, lobte Fritz Otto-Erley, Fahrsportkoordinator der FN (Deutschen Reiterlichen Vereinigung) die Biologiestudentin, die wenige Tage später, am 14. Juli ihren 20. Geburtstag feierte.
Seit zwei Jahren fährt die junge Frau die inzwischen siebenjährige bayerische Stute Annabelle aus dem Haupt- und Landgestüt Schwaiganger. Der fünfte Platz in der Deutschen Meisterschaft dürfte ein neues Highlight in der Karriere der jungen Frau sein. Gleichzeitig reichte diese Leistung auch aus, um neue Bayerische Meisterin zu werden.
Etwas enttäuschend endete die DM für Herbert Rietzler aus dem schwäbischen Rettenberg, der seinen Deutschen Meistertitel nicht verteidigen konnte. Zwar setzte sich der Pferdewirtschaftsmeister nach der Dressur mit seinem Haflinger Nakuri auf Platz eins, verlor  jedoch durch ein korrigiertes Verfahren im letzten Marathon-Hindernis wertvolle Punkte  und landete am Ende auf dem 15. Rang. Trotzdem blieb der Bayerische Meistertitel, den Rietzler schließlich mit nach Hause nahm.
Insgesamt sorgten die Aktiven dafür, dass die Entscheidung bis zum Schluss richtig spannend blieb. Nach Dressur und Gelände betrug der Abstand zwischen den drei bis dahin Führenden (Dieter Lauterbach, Philipp Faißt und Claudia Lauterbach) keine drei Punkte. Am Ende konnte sich Dieter Lauterbach mit Dirigent mit einer Nullrunde im Kegelparcours an der Spitze behaupten. Bei den Ponyfahrern stand eigentlich schon vor der letzten Teilprüfung der Sieger fest: Acht Punkte betrug der Abstand von Fabian Gänshirt und David L zu den Nachfolgenden. Da machten auch die 4,19 Punkte im Kegelparcours nichts mehr und Gänshirt und David L konnten ihren ersten DM-Sieg feiern.
Titelverteidigung geglückt – das kann Alexandra Röder für sich in Anspruch nehmen. Mit ihrem Dunkelfuchs Donnerstolz gewann die amtierende Para-Weltmeisterin mit Bestzeiten in allen sechs Hindernissen den Marathon, war Zweite in der Dressur und Dritte im Kegelfahren.
Neue bayerische Meister sind bei den Vierspännern Helmut Meidert (Pferdefreunde Leitzachtal) mit seinen Kaltblütern und sein Vereinskollege Johannes Kirchberger, der Ponys angespannt hatte. „Mit Kaltblütern hier eine solche Leistung abzuliefern, das ist absolut beeindruckend“, kommentierte Otto-Erley am Sonntag im Rahmen der Meisterehrung den Sieg von Helmut Meidert. Der Fahrexperte, der seit Jahrzehnten für die Ausbildung der Pferde auf Herrenchiemsee zuständig ist und dort mit seinen Gespannen auch die Touristen über die Insel fährt, lenkte seine schweren Vierbeiner gekonnt durch alle drei Teildisziplinen und durfte so am Ende verdient den weißblauen Meistertitel für sich beanspruchen.
Nicht minder eifrig, dafür auch noch umso wendiger zeigten sich die Haflinger von Johannes Kirchberger, dem „Blitz aus dem Leitzachtal“, der teilweise sogar Mühe hatte, die vier gangfreudigen Vierbeiner am Übereifer zu hindern. (Martina Scheibenpflug)
Für die Bilder bedanken wir uns bei Maria Hüls, Andreas Strobel, Steffi Fesl, Bernd Rachner, Teresa Amon, Isabel Klar, Wiebke Art, Fotografie Penzberg und weitere.